Es gibt einen Satz, der derzeit in HR-Abteilungen und Vorstandsetagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz kursiert. Er stammt aus dem Artikel aus Personalmagazin Neues Lernen, und er beschreibt die operative Realität nahezu jedes L&D-Teams in der Region mit unangenehmer Präzision:
„Die angespannte wirtschaftliche Lage zwingt viele Unternehmen zum Sparen. Für die Personalentwicklung bedeutet das: wirksame Lernformate mit weniger Budget finden.“
Für Schulungsanbieter hat dieser Satz eine andere Bedeutung als für einen CFO, der einen Quartalsbericht liest. Es ist keine abstrakte wirtschaftliche Beobachtung. Es ist eine tägliche operative Einschränkung — eine, die jeden L&D-Verantwortlichen vor eine grundlegende Frage stellt:

Die gefragtesten Kompetenzen lassen sich nicht herunterladen
Bevor wir über Lernformate sprechen, lohnt es sich zu präzisieren, welche Kompetenzen DACH-Unternehmen aktuell am dringendsten fehlen.
Die Studie Arbeits- und Fachkräftebedarf in Österreich (2024) identifiziert die gravierendsten Engpässe nicht in wissensbasierten Berufen, in denen Informationen zunehmend digital vermittelt werden können, sondern in angewandten technischen, operativen und zwischenmenschlichen Berufsfeldern:
Handwerk, Gesundheitswesen, Ingenieurwesen, Logistik und kundennahe Funktionen. Diese Kompetenzen entstehen durch praktisches Handeln, Beobachtung und unmittelbares Feedback erfahrener Expertinnen und Experten.
Der BIBB-Datenreport (2024) bestätigt dasselbe Bild für Deutschland: Die von Fachkräftemangel am stärksten betroffenen Berufe erfordern überwiegend praktische Kompetenzen, die sich im Selbststudium nur schwer erwerben lassen. Maschinenbedienung, Energiesystemwartung, klinische Pflege, Präzisionsfertigung, keine dieser Fähigkeiten entsteht durch das Absolvieren eines Online-Moduls.
Eine Studie zeigt: 59 % der DACH-Unternehmen meldeten stagnierende Weiterbildungsbudgets im Jahr 2024 und dennoch wächst die Komplexität dessen, was Mitarbeitende lernen müssen, kontinuierlich. Die Lücke zwischen verfügbarem Budget und tatsächlichem Qualifikationsbedarf wächst von Quartal zu Quartal.
In diesem Kontext ist die Frage des Schulungsformats keine Frage des Geschmacks, sondern der strategischen Ressourcenallokation und Budgetvervaltung.
Lern mehr: 5 Schulungsprogramme, die mit Präsenzschulungen erfolgreich werden
Der echte Kostenvergleich: Präsenzschulung oder eLearning ?
Der hartnäckigste Mythos im betrieblichen Lernen lautet: eLearning ist günstiger als Präsenzschulung.
Es ist in der Einführung günstiger, aber nicht zwangsläufig im laufenden Betrieb — und es ist selten wirksamer für die komplexen Kompetenzen, die DACH-Unternehmen am dringendsten aufbauen müssen.
eLearning: Hohe versteckte Folgekosten
- Die Entwicklung einer Stunde maßgeschneiderten eLearnings kostete 2024 zwischen 15.000 und 30.000 Euro
- Inhalte veralten schnell — besonders in Feldern wie KI, regulatorische Compliance und grüne Technologien — und erfordern kontinuierliche Reinvestitionen
- Lizenz- und Plattformkosten für LMS-Infrastruktur fallen als laufende Jahresausgaben an und steigen mit der Nutzerzahl
- Die Abschlussquoten für selbstgesteuerte Online-Lernmodule liegen im Unternehmenskontext im Schnitt unter 15 % — ein erheblicher Teil der Investition erzeugt damit keinen messbaren Kompetenz- und Lerntransfer
Präsenzschulung: Hohe Einrichtungskosten, niedrigere Folgekosten
- Erstentwicklung und Trainerqualifizierung sind mit echten Anfangskosten verbunden: Curriculum-Entwicklung, Trainervorbereitung, Materialerstellung
- Sobald ein Programm etabliert ist, sinken die Kosten je Durchführung mit jeder Iteration erheblich — dasselbe Curriculum, kontinuierlich verfeinert, führt zu sinkenden Grenzkosten
- Ein erfahrener Trainer kann dasselbe Programm wiederholt durchführen — ohne aufwändige Neuentwicklungszyklen
- Wissenstransferraten sind messbar höher: Direktunterricht, unmittelbares Feedback und Peer-Learning in einem strukturierten Umfeld übertreffen asynchrone digitale Formate beim Erwerb komplexer Kompetenzen — eine Erkenntnis, die in der Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik wiederholt belegt wurde
Unternehmen mit strukturierten, fortlaufenden Präsenzschulungsprogrammen verzeichneten in Sechs-Monats-Nacherhebungen eine höhere Kompetenzretention als Unternehmen, die primär auf selbstgesteuertes digitales Lernen setzten.
Lesen mehr: Präsenzschulung und eLearning: Was ist die bessere Wahl für deine Unternehmen ?
Budgeteffizienz bedeutet nicht, weniger auszugeben, —sondern richtig zu investieren
Die Formulierung des Personalmagazins „wirksame Lernformate mit weniger Budget finden“ ist kein Aufruf zum Kürzen. Es ist ein Aufruf zur gezielten Auswahl. Die Forschungsbasis in der DACH-Region weist dabei konsistent in dieselbe Richtung.
Deutsche Unternehmen laut einer Studie investierten insgesamt 46,4 Milliarden Euro in betriebliche Weiterbildung — dennoch fließt ein erheblicher Teil dieser Mittel fließt in Formate, die keine messbaren Kompetenzgewinne erzeugen. Das Problem ist nicht das Ausgabevolumen, sondern die Investitionspräzision.
Laut der Weiterbildungsstudie aus 2025 planen nur 50,7 % der Beschäftigten in Deutschland, in den kommenden zwölf Monaten an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen — weniger wegen fehlender Budgets als vielmehr aufgrund von mangelnder Relevanz und Zeit.
Mitarbeitende engagieren sich, wenn Schulungen praxisnah, menschlich geführt und direkt mit ihrer Arbeit verbunden sind. Diese Beschreibung trifft auf Präsenzschulung deutlich stärker zu als auf ein selbstgesteuertes Online-Modul.
Für Schulungsanbieter unter echtem Budgetdruck verlagert sich die Frage damit von „Können wir uns Präsenzschulung leisten?“ hin zu „Können wir es uns leisten, das Format zu vernachlässigen, das den nachhaltigsten Return auf jeden investierten Euro erzielt?“
Die versteckten Kosten, die von Schulungsverantwortlichen häufig übersehen werden
Eine Kostendimension wird in L&D-Budgetgesprächen selten berücksichtigt — obwohl sie möglicherweise die bedeutsamste ist: die Kosten fehlgeschlagenen Kompetenztransfers.
Wenn ein Schulungsprogramm keine echte Kompetenzveränderung erzeugt, trägt das Unternehmen die Kosten zweimal: einmal für die Schulungsinvestition und erneut für die fortbestehende Kompetenzlücke, die das Programm schließen sollte.
In Sektoren mit akutem Fachkräftemangel ist diese zweite Kostenposition nicht nur theoretisch.
Jedes dritte österreichische Unternehmen sieht Qualifikationslücken als direkte Wachstumsbremse. Schließt die Schulungsinvestition diese Lücke nicht, weil das Weiterbildungsformat primär aus Kostengründen statt nach Wirksamkeit gewählt wurde, werden die wahren Kosten des falschen Formats sichtbar.
Präsenzschulung, die professionell konzipiert und kontinuierlich umgesetzt wird, adressiert dieses Risiko direkt. Lernende üben im Kontext, erhalten unmittelbare Korrektur und entwickeln tacit knowledge, implizites Erfahrungswissen, das sich nicht in Modulen abbilden lässt.
Präsenzschulung budgeteffizient gestalten: Die Systemfrage
Das stärkste Argument gegen Präsenzschulung in Zeiten knapper Budgets ist nicht ihre Wirksamkeit, sondern ihre operative Komplexität.
Schulungsplanung, Raumkoordination, Teilnehmerregistrierung, Stornierungsmanagement, Anwesenheitserfassung und Berichterstattung über mehrere Programmdurchläufe hinweg sind anspruchsvolle Aufgaben. Wenn sie manuell erledigt werden — wie es in den meisten DACH-Organisationen noch der Fall ist — binden diese Verwaltungsaufgaben Budget und Personalkapazität, die eigentlich der Programmqualität zugutekommen sollten.
Um Präsenzschulungen effizient zu verwalten, wechseln führende Unternehmen von Tabellenkalkulationen und Kalendern hin zu spezialisierter Trainingsmanagement-Software.

Optimierung von Schulungsbudgets in Unternehmen
Die gezielte Weiterentwicklung von Kompetenzen und ein strukturiertes Talentmanagement können über den Erfolg eines Unternehmens entscheiden. Der ausschließliche Einsatz von E‑Learning zur Entwicklung von „Skill-Kompetenzen“ führt jedoch häufig zu Unsicherheit, wenn es darum geht, Mitarbeitende gezielt in den für das Unternehmen aktuell relevanten Fähigkeiten zu schulen.
Die umfassende Schulungsmanagement-Suite von Training Orchestra unterstützt Sie dabei, die Durchführung von Präsenzschulungen zu optimieren und gleichzeitig volle Transparenz über jeden investierten Euro zu schaffen – aufgeschlüsselt nach Schulung, Teilnehmenden, Kursen und weiteren Relevanten. Worauf warten Sie noch?
